Langstreckenschwimmen mit Herrn Gutenberg.

Es heisst, aller Anfang ist schwer. Besonders schwer ist er dann, wenn man in ein kaltes, unbekanntes Becken springt. An Bord hat man viel Motivation und Interesse, jedoch keine Berufserfahrung. Dann lautet die Aufgabe: und jetzt schwimm. Da ich keine ausgiebige Langstreckenschwimmerin bin, sondern mich lieber auf dem Rhein mit dem Strom treiben lasse, muss ich mir schnell überlegen, wie ich langfristig über Wasser bleibe. Dieser Sprung in ein mir unbekanntes Becken wurde mir Mitte August ermöglicht. Seitdem lerne ich also 3.5 Tage in der Woche schrittweise Schwimmen. Die Bewunderung gegenüber den gekonnten Schwimmern ist gross und die Erwartungen an die eigene Person ebenso. Das Becken: die Werbeagentur Schwindl Schär und ich mittendrin als Praktikantin.

Eine der ersten Aufgaben lautet: Schreibe eine Definition des Begriffs „Buch“. Kein Wikipedia-Abklatsch und ebenso wenig trocken soll sie sein. Bringe den Leser zum Schmunzeln. Genau das war es, was ich in allen den Unitexten jahrelang vermisst habe. Ein Schmunzeln im Gesicht und keine faltige Stirn vor lauter Fragezeichen und verschachtelten Sätzen. Keine leichte Aufgabe, wenn sich hinter einem humorvollen Text Wissen verstecken soll. Das leere Blatt wartet auf meine Ideen, doch es bleibt vorerst leer. Was war nochmal ein Buch? An der Uni habe ich gelernt, dass Gutenberg der Erfinder der gedruckten Bücher ist. Kann Gutenberg humorvoll sein? Umso mehr ich versuche, die Jahrhundertdefinition eines Buches auf das Blatt zu bekommen, desto leerer wird mein Kopf. Alles auf Anfang. Ein Glas Wasser später stelle ich mir erneut die Frage: Was ist ein Buch für mich? Was passiert, wenn ich ein Buch lese? Es in der Hand halte? Und plötzlich ist sie da, die Idee. Ein Sprungbrett in eine andere Welt. Warum nicht gleich. So schnell die eine Idee da war, so allein stand sie da. Auf der Suche nach weiteren Definitionselementen und zwei Überarbeitungen, dank Unterstützung, kam ich zu einem ersten präsentablen Fünfzeiler:

Das Buch
Es gibt sie schon seit Gutenberg und wird sie auch Morgen noch geben, trotz aller Befürchtungen. Ob physisch oder elektronisch, das Buch ist ein Sprungbrett in eine andere Welt. Dabei entscheidend ist Ihre Zeit, um in diese andere Welt einzutauchen. Mit einem Lesezeichen markiert können Sie jederzeit zurückspringen. Die thematische Vielfalt in gebundener Form ist beständig und wartet nur auf Ihre Zeitlücke.

Der finale Feinschliff erfolgt durch eine weitere Idee von einem professionellen Schwimmer. Inzwischen liest sich die Definition locker flockig von den Lippen und ich bin dem Ziel eine Langstreckenschwimmerin zu werden eine Definition näher, zumindest denke ich das in diesem Moment. Wer denkt, dass diese Etappe abgehakt ist, täuscht sich, denn jemand hat ein ziemlich gutes Argument dafür, dass die Definition noch einmal unter die Lupe genommen werden sollte.

Dieser jemand ist niemand anderes als Herr Gutenberg selbst, der sich ein bisschen falsch verstanden fühlt – zu Recht. Definition überarbeiten heisst es deswegen, denn mein Verweis auf Herrn Gutenberg entspricht nicht ganz seiner eingeschlagenen Laufbahn als der Held der Bücher. Der gute Herr bekommt ein wenig zu viel Aufmerksamkeit in meiner Definition zugeschrieben, denn er ist zwar für den modernen Buchdruck verantwortlich und dementsprechend sorgte er für die Verbreitung des Buches weltweit, aber für die Bucherfindung hat das Genie seiner Zeit nicht gesorgt.

So kommt es zu einer kleinen, feinen aber wichtigen Abänderung, nicht nur der Definition, auch von diesen Zeilen. Es wäre auch zu schön gewesen, hätte das den geschmeidigen Charakter beibehalten, aber Herausforderungen sind ja dazu da, dass man sie annimmt und ihnen zeigt, wie Herr Gutenberg richtig zu erwähnen ist. Gesagt, getan und wenn man schon dabei ist, haben auch weitere neue Ideen die Chance genutzt und sich angeschlossen. Spontan und flexibel muss nicht nur Herr Gutenberg sein, auch das Lesezeichen muss weichen. Denn neue Ideen schlafen nie und haben somit neben der richtigen Platzierung von Gutenberg ihre Chance genutzt und die Definition verändert.

Herr Gutenberg, zu guter Letzt ich würde Sie gerne nach Ihrer Meinung bezüglich der endgültigen Definition fragen und schauen, ob ich Ihnen ein Schmunzeln beim Lesen der Buchdefinition entlocken kann:

Das Buch
Seit Gutenberg wird es gedruckt und ist Opium für’s Volk. Wiederholt totgesagt hat es sich immer gehalten, trotz TV, Internet und eBooks. Denn das Buch ist ein Sprungbrett in eine andere Welt, und das gleich auf mehreren Ebenen. Es entführt mit Text, Bild, Gestaltung und Materialität. Diese sinnliche Ganzheitlichkeit macht dem Buch so schnell kein anderes Medium nach.

Was denkt ihr zu unserer Definition?