Auf dem Bus durch Freiburg

Übung macht den Meister, das ist mir klar. Dennoch stellt sich mir die Frage, warum ich mit meinen Schwimmzügen bei meiner heutigen Aufgabe nur schleppend vorankomme. Ein salopper Werbeslogan steht auf dem Tagesziel. Für wen? Ein Flugunternehmen möchte in Freiburg eine Strassenbahn verkleiden und damit die Leute zum Schmunzeln bringen. Mein erster Versuch, mich Ideen anzunähern scheitert aufgrund des fehlenden Bezugs zu Freiburg. Kritik angenommen. So Freiburg, dann zeig’ mir doch mal was dich ausmacht.

Weil ein Tagesausflug nach Freiburg nur schwierig mit meinem heutigen Tagesziel vereinbar ist, danke ich Google an dieser Stelle für seine Allwissenheit. Bei der Freiburgdurchreise auf Google bekomme ich Lust auf einen Kurzbesuch, gedanklich packe ich also meine Tasche und spaziere den Verlinkungen entlang los. Schnell mache ich meine Erfahrungen und merke, dass ich bei meinem Spaziergang auf eines besonders achten muss: das Freiburger Bächle. Denn wer ausversehen in das bekannte Innenstadt-Bächle tritt, wird laut Legende einen Bobbele heiraten. Einen was? Einen Klick weiter bin ich schlauer und weiss, dass ein Bobbele ein waschechter Freiburger ist. Was auch sonst. Einer von ihnen heisst Andreas und er kann etwas besonders gut: Käsekuchen. Andreas’ Käsekuchen kennt man in Freiburg, so wie hier in Basel die Leckerli. Es ist kurz vor zwölf und ich scrolle schnell weiter, da ich sonst von meinem Magen vom Klick auf das „Käsekuchenrezept“ überzeugt werde. Gesagt, getan und schon finde ich heraus, dass man einen Käsekuchen am Besten an einem der 145 Sonnentage geniesst. Die südlichste Stadt Deutschlands hat also eine perfekte Lage für alle Sonnenanbeter. Bei Sonne fährt es sich auch gut Fahrrad, auch diese grüne Einstellung erfüllen 45% der Freiburger. Dazu passt auch die Vorliebe für Alnatura, verrät mir mein virtueller Stadtrundgang. Ach ihr Freiburger, ihr wohnt dort wo Touristen ihren Kameraspeicherplatz überlasten. Bei so viel Sonnenschein und Lebensqualität wird mein Fragezeichen grösser, wie ich diese Headline forme, sodass sie sich in das Leben der Freiburger einreiht: Wie überzeuge ich euch Bobbeles bloss von einer kleinen Reise in die grosse weite Welt?

Zurück am Arbeitsplatz nach meinem virtuellen Spaziergang frage ich mich, bei welcher Strassenbahnwerbung ich in Freiburg schmunzeln müsste, aber komme auf keinen grünen Zweig. Den ganzen Tag über versuche ich saloppe Sprüche mit typischen Freiburger Dingen zu kombinieren. Die Headlines, die in anderen Städten auf Bussen spazieren gefahren werden, entpuppen sich immer mehr als grandios.

Auch nach meinem Mittagessen ist die Angelegenheit noch sehr benebelt, und es liegt nicht an der Knoblauchfahne, die mich seit den Bruschetta umgibt. Der Ehrgeiz steht mir am heutigen Tag eher im Weg statt mich anzuspornen. Ich halte es für besonders hilfreich, alles zur Seite zu legen und eine Nacht darüber zu schlafen.

Mit einem mehr oder weniger klaren Kopf setze ich mich erneut an die Sache. Ein kleines Reset-Knöpfchen wäre jetzt hilfreich, geht aber leider nicht. Voreingenommen von meinen gestrigen Gedanken hilft auch ein neues Dokument nur bedingt. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, etwas Kreatives auf das Blatt zu bekommen.

Wie kreativ meine Endergebnisse sind, darüber lässt sich streiten. Dennoch kann ich einen kleinen Beitrag auf dem Weg zur passenden Headline in Freiburg leisten. Durch ein paar gekonnte Tricks und passende Worte werden meine Ideen in Form gebracht und mit anderen Vorschlägen ergänzt. Da sagt noch einmal jemand, viele Köche verderben den Brei. Schritt für Schritt, Schwimmzug um Schwimmzug lerne ich dazu und hoffe bei meinem nächsten virtuellen Spaziergang neben dem Bächle und Bobbele auch über eine brillante Idee zu stolpern.